19.01.2010

Ich hoffe alle Leser meiner Berichte hatten einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Ich habe Weihnachten und dann den Jahreswechsel auch noch in Michigan verbracht. So hatten wir sogar eine weiße Weihnacht. Die Niagara-Fälle waren im wahrsten Sinne des Wortes berauschend. Wir haben sie von der kanadischen Seite aus gesehen. Um die Felsen und Pflanzen herum hat sich eine dicke Eisschicht gebildet aufgrund der Luftfeuchtigkeit. Eigentlich hätten wir ein Feuerwerk sehen können. Es war aber so nebelig, dass man kaum die eigene Hand vor Augen sehen konnte.

Silvester (bzw. „New Year’s Eve“) haben wir ganz ohne Feuerwerk verbracht. Das ist aber auch gar nicht unüblich. Feuerwerke spielen eine viel größere Rolle zum Unabhängigkeitstag. Dafür haben wir die Live-Übertragung aus New York angeschaut. Dort wurde dieses Jahr wieder ein riesiger Ball von 3,7 Meter Durchmesser zum Rollen gebracht. Dieses so genannte „ball dropping“ in Times Square (Manhatten, New York) dauert genau 60 Sekunden und beginnt 23:59:00. Somit „fällt“ der Ball pünktlich zu Mitternacht.

Wir haben auch einen kleinen Abstecher nach Frankenmuth gemacht. Diese Stadt zeichnet sich selbst als das „Kleine Bayern von Michigan“ aus. Man findet dort alles, was sich die Amerikaner als „Deutsch“ vorstellen. Letztendlich sind es aber nur die Klischees, die man dort sieht und die vielleicht sogar manchmal ein falsches Bild vermitteln. Es ist eben doch nicht dasselbe, wenn man in einem „deutschen“ Restaurant unaufgefordert Wasser ohne Kohlensäure aber mit Eiswürfeln bekommt. Dafür war das Schnitzel aber echt nicht schlecht.

Am 4.1. hat dann auch die Schule hier wieder angefangen. Ich hatte aber Donnerstag und Freitag sogenannte „Snowdays“, also Schneetage. Alle Schulen in Springfield wurden für diese Tage geschlossen, das sind immerhin 24.000 Schüler allein an den öffentlichen Schulen. Die schulfreien Tage liegen aber nicht am Schnee, denn der hält sich eigentlich in Grenzen. Es ist mit -21°C ungewöhnlich kalt für diese Region.

Vergangene Woche war „Finals Week“. D.h. es wurden die Abschlussprüfungen fürs erste Semester geschrieben. Man hat in jedem der sieben Fächer eine schriftliche Prüfung. Besonders für den Anatomie-Unterricht bedeutet das noch einmal Last-Minute-Pauken. Aber mit ein bisschen amerikanischer Gelassenheit lässt man das halt einfach auf sich zukommen.

Genauer gesagt musste ich einige der Abschlussprüfungen auf diese Woche verlegen, denn der Großvater meiner Gastmutter April ist gestorben. So sind wir kurzerhand alle nach Virginia an die Ostküste gefahren und dort konnte dann meine Gastfamilie zur Beerdigung gehen. Die 24-stündige Fahrt war sehr anstrengend, aber das nimmt man eben in Kauf. Das interessante an dieser Gegend ist der Kolonialstil. Die Häuser sehen nochmal ganz anders aus und lassen den Zeitstil der ersten Einwanderer aus Europa erkennen.

Heute, Dienstag, geht die Schule wieder weiter. Denn am Montag war Martin Luther King, Jr. Day. Mit diesem Feiertag gedenkt man des Geburtstags des populären Protagonisten in der Bürgerrechtsbewegung in den 1960er-Jahren. Wir haben aber den Tag mit der Rückfahrt aus Virginia verbracht.

Bis zum nächsten Bericht: Make smart choices!  

 
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