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Wie jedes Jahr war am vierten Donnerstag im November Thanksgiving. Zu essen gab es Truthahn mit vielen, vielen Beilagen. Ursprünglich hatte dieser Tag einen religiösen Hintergrund. Daraus geworden ist eher ein patriotischer Tag für die Amerikaner. Man schaut sich die Macy’s Thanksgiving Parade in New York im TV an. Und natürlich darf ein Footballspiel nicht fehlen.
Am 2. Dezember war Aprils (Gastmutter) Geburtstag. Zu ihrem Geburtstag waren wir im „Texas Road House“ essen. April bekam dort ein kleines Geburtstagsständchen und musste ein Rodeo-Pferd reiten. Geschenkt bekommen hat sie von mir ein paar Holzschnitzereien aus der Heimat für Weihnachten. Das waren eine kleine Lichtpyramide und ein Räuchermännchen. Das haben wir dann auch gleich ausprobiert. Und jetzt riecht es hier zu Weihnachten wie im guten alten Deutschland.
Apropos Weihnachtsdekoration. Das Haus ist mit Lichtern geschmückt. Es ist so ziemlich das am schönsten geschmückte in der Straße. In der Nachbarschaft ist aber wenigstens nicht so ein „Wettkampf“, wie man ihn aus manchen amerikanischen Filmen kennt. Auch die Innendekoration lässt nicht zu wünschen übrig: Der (Kunst-) Weihnachtsbaum ist aufgestellt. Als Thema hat meine Gastfamilie Spielzeug ausgewählt. Dementsprechend findet man rund um den Baum Geschenke und kleine Spielereien. Es ist auch eine Eisenbahn angebracht, die rund um den Weihnachtsbaum fährt.
Mit meiner Gastfamilie war ich in einem großen Einkaufscenter, wo wir den Weihnachtsmann (Santa Claus) getroffen haben. Kai (kleiner Gastbruder) war sehr beängstigt von ihm, dass wir fürs Foto den Weihnachtsmann sogar von seinem Thron vertreiben mussten.
Wir waren bei „Hooters“. Das ist eine Restaurantkette, die nur Kellnerinnen mit entsprechenden Hupen (dt. für „hooters“) anstellt. Und da wird natürlich auch gerne einmal schnell die ganze Belegschaft für ein Foto zusammengerufen für den Austauschschüler aus Deutschland.
Mit einer kleinen Gruppe aus dem Anatomie-Kurs durfte ich eine echte Autopsie miterleben. Ein 25-jähriger Mann aus der Drogenszene ist ums Leben gekommen und musste deswegen in einer Autopsie untersucht werden. Es stellte sich heraus, dass es letztendlich eine Überdosis war, die ihn umgebracht hat. Es war sehr interessant, „hautnah“ zu sehen, wie das so abläuft. Wir haben dann auch sämtliche Organe herumgereicht, aber weitere Details möchte ich an dieser Stelle lieber ersparen. Wenn alles klappt, und es im Laufe des Jahres noch genug Leichen gibt, kann ich auch noch eine zweite Autopsie sehen.
Im Englisch-Unterricht lernen wir gerade Grammatik. Da geht’s dann um so was wie man Adjektive und Adverbien richtig steigert. Und das in der 11. Klasse einer High School. Aufpassen in der 6. Klasse im Englischunterricht in Deutschland lohnt sich also! Und dann kommt eben so ein kleiner besserwisserischer Ausländer aus Deutschland und erklärt den Amerikanern erst einmal den Unterschied zwischen Adjektiv und Adverb, weil es die Englischlehrerin selber nicht weiß… Ja, so bin ich halt. Aber wer mich kennt, weiß, dass ich schon immer großen Wert auf Hochdeutsch gelegt habe. Das ändert sich eben auch nicht für andere Sprachen.
Jamie ist für einige Zeit beruflich in Kanada. So waren wir, Kai, April und ich, letzten Freitag in „Silverdollar City“. Das ist ein Vergnügungspark, der im Sommer eigentlich Achterbahnen und Ähnliches anbietet. Im Winter wird er in einen Park mit tausenden von Weihnachtslichtern umgestaltet. Man kann dann auch mit einer Eisenbahn durch den Park fahren und bekommt die Weihnachtsgeschichte erzählt. Das ist sehr schön gemacht. Allerdings war es viel zu kalt, um sich richtig umsehen zu können.
Letzten Samstag war eine Geburtstagsparty von zwei Leuten aus der Theatergruppe. Es fand ein kleines Bonfire statt, wo man Marshmallows röstet und isst. Dann haben wir noch ein Spiel namens „Psychiatrist“ (engl. für Psychiater) gespielt. Wir hatten viel Spaß.
Allen Lesern meiner Berichte wünsche ich eine wunderschöne vorweihnachtliche Adventszeit! |