14. November 2009

Fast drei Monate sind jetzt schon vergangen, seit dem ich hier angekommen bin. Das ist schon ein Viertel des gesamten Aufenthaltes (die Zeit vergeht so schnell!). Jedenfalls ein kleines Resumé: Es läuft super!

Hier geht so langsam der Herbst los. Die Bäume werden bunt und Blätter fallen. Dementsprechend hat sich auch die Gartenarbeit erhöht. Die Amerikaner wollen schließlich immer Ordnung halten, denn jeder kann sehen, wie der Garten des Nachbarn aussieht. Schnee liegt aber noch keiner. Man befürchtet hier vielmehr Glatteis im Winter. Für die Jahreszeit ist es hier aber noch ungewöhnlich warm.

Von der Schweinegrippe hört man hier auch hin und wieder ein paar Vorfälle; auch an der Schule waren schon ungefähr fünf Infektionen. Aber das wird hier eigentlich nicht als großes Problem behandelt. Man wird nur immer wieder dazu aufgerufen, sich Hände zu waschen und Sanitizer zu benutzen. Sanitizer ist ein Desinfektionsmittel, das man vor Mahlzeiten in die Hände reiben soll. Sollte sich die Lage dennoch drastisch verschlimmern, werden sämtliche High Schools bis auf Weiteres geschlossen. Die Tage, die dadurch ausfallen, müsste man dann aber am Ende des Schuljahres als „Flu Days“ nachholen. Genauso ist es mit Tagen, die wegen Schneefall ausfallen („Snow Days“).

Auch Collin, der in Grease die Rolle von Danny (männl. Hauptrolle) spielt, hatte kurz vor der Premiere die Grippe. Zwar nicht das H1N1-Virus, musste aber trotzdem länger als eine Woche zu Hause bleiben. Zum Glück konnte er dann aber wieder mitmachen. Vor zwei Wochen begannen die Night-Rehearsals (Abendproben), es wurde schließlich mit Ton, Licht und Requisiten geprobt. Und am Montag (drei Tage vor der Premiere!) haben wir dann endlich auch mit der Band geprobt. Dementsprechend schnell musste alles gehen, aber die amerikanische Mentalität scheint das getrost zuzulassen. So hatte ich letztes Wochenende noch die Aufgabe bekommen, einen Song komplett für die Band zu arrangieren. Aber das hat dann auch noch geklappt, eben mit ein bisschen amerikanischer „Gelassenheits-Mentalität“.

Vergangenen Donnerstag hatten wir dann schließlich Premiere. Trotz der relativ kurzen Probezeit von 2 Monaten liefen die beiden Aufführungen am Donnerstag und Freitag ganz gut. Jetzt stehen nur noch zwei weitere Aufführungen heute und morgen auf dem Plan.

Mit dem Parkview Concert Choir hatten wir ein Herbstkonzert in der Aula der Schule. Der Chorleiter Mr. Grega, der selber nicht wirklich gut Klavier spielen kann, hat mich zwei Tage vor dem Konzert zum Pianisten gemacht. Sein eigentlicher Klavierbegleiter hat kurzfristig abgesagt. Wir haben aber das Beste daraus gemacht und für das Weihnachtskonzert bin ich jetzt schon gebucht.

Da soll mal einer sagen, dass man mit Musik nichts anfangen kann in der Welt.

Nach mehr als zwei Monaten an Parkview High School habe ich endlich einmal die Deutschlehrerin Mary Bielenberg-Hill kennen gelernt und auch mal wieder ein paar Worte Deutsch gesprochen. Ihre Eltern waren beide Deutsch und sind nach Amerika gegangen. Sie hat an allen Schularten in Amerika unterrichtet, von Grundschule bis hin zur Universität, vor ein paar Jahren wurde sie zum Deutschlehrer im Bundesstaat Missouri gewählt. Nach einer kurzen Konversation auf Deutsch haben wir uns dann aber doch entschlossen, lieber auf Englisch zu sprechen. Sie hat mich in ihren vier Deutschkursen vorgestellt. Dort habe ich dann von der Wiedervereinigung gesprochen und habe kurz das Bildungssystem vorgestellt.

Wir hatten jetzt bestimmt schon 10 Feuerprobealarme in der Schule. Letzte Woche kam der Sturmprobealarm dazu. Man achtet hier wirklich darauf, dass alle 1600 Schüler und Lehrer für den Ernstfall Bescheid wissen. 

Vorletztes Wochenende waren meine „Gast-Urgroßeltern“ zu Besuch. Bunny und Charles sind Aprils Großeltern aus der Nähe Pheonix, Arizona. Wir haben an diesem Wochenende viel unternommen. Zum Beispiel waren wir in Lambert’s Cafe, einer sehr beliebten Restaurantkette. Aber: anderthalb Stunden Wartezeit auf einen Tisch – was man nicht alles macht für Essen.

Dann war ja auch noch Halloween. Wir haben Halloween-Plätzchen gebacken, Kürbisse ausgehöhlt und wie üblich gestaltet, allerdings mit Vorlagen aus dem Internet. Es werden hier so einige Halloween-Partys verstaltet, unter anderem eine mit den Theater-Leuten. Wir hatten eine Menge Spaß und waren „Trick or Treating“ (Süßes oder Saures), um für bedürftige Kinder zu sammeln. Am eigentlichen Halloween-Tag war ich mit Kai in unserer Nachbarschaft Trick or Treating. Wir haben eine Menge Süßigkeiten bekommen. Aber mit der guten deutschen Schokolade können diese fettigen und schwammig-weichen Candies nicht mithalten.

 

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